Die Träume von Jugendlichen zeigen oft das Vorübergehende, Flüchtige, Labile ihrer Lebenssituation. Es sind oft Katastrophenträume.

 

"Ich war mit einer Person zusammen durch einen Wald gelaufen, viele Bäume, licht, nicht dunkel. Wir waren in einem riesengroßen Haus, vielleicht ein Schloss, da waren viele verschiedene Arten von Torten, Kuchen. Die Person, mit der ich am Anfang zusammen war, ich hatte das Gefühl, es sollte eine Freundin sein, die war dann weg. Ich wollte nichts von dem Kuchen essen und was da noch war. Ich war in einem großen Saal mit ganz vielen anderen Leuten, ich weiß nicht, ob ich die kannte oder nicht, wir gucken in den Himmel, da kam ein Flugzeug abgestürzt, auf uns abgestürzt, uns allen war klar, dass die Welt kaputt geht, untergeht, da guckte ich wieder zum Flugzeug, habe überlegt, ob jemand von meiner Familie überlebt hat, dachte bestimmt nicht, dachte, es müsste Chaos sein auf der Welt, da guckte ich auf das Flugzeug hoch und obwohl so viele Menschen um mich standen, dachte ich, dass das Flugzeug auf mich stürzen würde. Ich dachte, es ist ja egal, die Leute, die ich kenne, meine Familie, sind tot, alle Menschen sind umgekommen. Die im Saal, die interessieren mich nicht.“

Johanna, 19 J.

 

„Ich und Anna und alle meine Freunde, wir waren alle Fische. Irgendein Fisch hatte viele kleine Kinder. Wir mussten wegschwimmen. Es gab Wächter an den Toren. Hinter uns war was Böses. Wir mussten durch die Tore schwimmen. Um der Bedrohung zu entkommen, musste man durch die Tore schwimmen, aber es haben nicht alle geschafft. Die Wächter standen an den Toren, als wenn sie zu den Bösen dazugehören. Sie haben gedroht, wenn wir nicht durch die Tore gehen, bringen sie uns um. Aber es sind nicht alle rechtzeitig nachgekommen. Als wir ganz durch waren, haben alle geweint, wir haben alle Freunde verloren. Alle Kinder blieben zurück. Ich bin aufgewacht und habe geweint".

Anja 14 J.

 

"Ich will mit meinen Freundinnen Susa und Adrienne weggehen. Wir sind in die Schlossstrasse gelaufen. Plötzlich ist neben mir links das Auto von meinem Vater stehen geblieben, er hat die Tür aufgemacht und hat gesagt, ich soll einsteigen. Und ich bin eingestiegen. Dann hat mein Vater angefangen zu weinen und ist mit mir in seine Stammkneipe gefahren. Er hat der Bedienung gesagt, sie soll den Fernseher einschalten. Da hat man eine Hubschrauberaufnahme gesehen. Vom Hubschrauber aus eine Aufnahme von unserem Grundstück und das von unseren beiden Nachbarn. Die Häuser waren weg, es war nur noch Sand, nur noch zwei Löcher, wo der Keller war und wo der Pool war. Keine Wiese, keine Bäume, gar nichts. Es wurde gesagt, dass unsere Nachbarin den Gasherd angelassen hat und das hätte Feuer gefangen und die Grundstücke wären abgebrannt. Meine Mutter war im Restaurant, meine Schwester war bei ihrem Freund und mein Vater war in seiner Kneipe. Er hat es dort gesehen. Komisch, dann hat er mich gesucht, mich als erstes, und dann hat er mich gefragt, was er machen soll.

Als ich aufgewacht bin, war ich zuerst erschrocken, dann glücklich, weil ich im Zimmer lag. Weil es nicht Realität war, nur ein Traum. Ich bin ins Zimmer meiner Schwester und meiner Eltern gegangen und habe mich vergewissert, dass alle noch da sind. Ich wusste, dass es ein Traum ist und musste trotzdem nachgucken."

Kristina 16 Jahre

 

"Berlin wird bombardiert. Ich bin in meiner Wohnung. Meine Mutter ist nicht zu Hause. Ich bin nach oben gerannt – meine Freundin wohnt im Haus, keiner war da. Ich habe versucht meine Familie zu erreichen, meinen Vater, meine Großeltern, meinen Onkel, meine Tante, alle die von der Familie, die in Berlin wohnen. Ich habe keinen erreicht. Dann habe ich eine Sirene gehört. Berlin wurde evakuiert, alle in einen großen Bunker. Ich war ganz alleine, ich war auf der Straße und habe alle die, die ich gesucht habe, tot aufgefunden".

Betty 17 J.

 



 

"Adoleszenz bedeutet einen Aufruhr der Gefühle, einen Kampf zwischen dem ewigen Wunsch des Menschen, sich an die Vergangenheit zu klammern, und dem gleichermaßen machtvollen Wunsch, weiterzugehen. Ihr Zweck ist es nicht, das Vergangene auszulöschen, sondern das Wertvolle unsterblich zu machen… Abschiednehmen bringt viel Kummer und Sehnsucht mit sich. Insofern ist der Jugendliche ein Trauernder, der zunächst nur verschwommen erkennt, was er verliert. Was der Jugendliche verliert und was so schwer zu verschmerzen ist, das ist die leidenschaftliche Bindung an die Eltern und an die Dialoge, die einst den Mittelpunkt seiner kindlichen Existenz bildeten".

(Louise J. Kaplan Abschied von der Kindheit)

 

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Regina Konrad

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